Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

http://myblog.de/julesabenteuerinjapan

Gratis bloggen bei
myblog.de





Dienstag, 26.12.06: Weihnachten

Weihnachten in Japan ist so ziemlich das undweihnachtlichste Weihnachten, das ich je erlebt habe (Wenn man mal von dem deutsche Weihnachtslieder singendem Baum am Bahnhof absieht).
Meine Gastmutti hat zwar einen Weihnachtsbaum aufgestellt (und den mit ca. 5 Kilo - wohlbemerkt, alles, was sie finden konnte - Gliterkram hemmungslos ueberladen), aber da war dann auch schon Schluss.
Am 24. musste meine Gastmutti arbeiten. Abens kam sie dann mit dem eingekauften Abendessen und dem in Japan typischen Weihnachtskuchen (liebevoll Kurisumasuke-ki genannt) wieder. Der besteht ganz traditionell zu ca. 95% aus Sahne, 2% Schokolade, 1,5% Teig und 1,5% Erdbeeren. Da diese Erdbeeren im Dezember angeblich frisch sein sollen, koennten es natuerlich auch verkleidete (geneteisch veraenderte) Tomaten aus Holland sein. Wuerde zumindest den nicht vorhandenen Geschmack erklaeren.
Gnadenlos ueberfressen gingen wir ins Bett, da meine Gastmutti am naechsten Tag wieder arbeiten musste (als Lehrerin einer Mittelschule, 7. bis 9. Klasse).
Am 25. weckte mich meine Gastschwester (die schon beim Aufstellen des Weihnachtsbaumes ueberlegt hat, wo der Weihnachtsmann ihn wohl am ehesten sieht) zu einer unchristlichen Zeit von 8 Uhr mit dem Worten: "Der Weihnachtsmann war da und hat auch fuer dich ein Geschenk mitgebracht."
'Nein.', dachte ich, 'Die Geschenke liegen in meinem Schrank und wurden von meinen Verwandten aus Deutschland geschickt.' Ich habe mich dann aber doch aus meinem warmen, weichen Futon gepellt, um nachzusehen. Und da lag tatsaechlich ein Geschenk fuer mich - mit einer deutschen Karte, obwohl meine Gastschwester mir doch ganz ueberzeugt erklaert hatte, das der Weihnachtsmann Japaner sei.
Am Abend habe ich mich natuerlich ganz lieb bei meiner Gastmutti (von der das Geschenk wirklich kam) bedankt, waehrend meine Gastschwester so fest davon ueberzeugt war, dass die Geschenke vom Weihnachtsmann kaemen, dass sie es nicht fuer noetig hielt, sich bei mir oder ihrer Mutter zu bedanken.
16.1.07 04:57


Mittwoch, 03.01.07: HAPPY NEW YEAR!!

Waehrend Weihnachten also eher gekonnt ignoriert wird, wird um Silvester ein umso groesserer Aufriss gemacht. Es ist aber trotzdem nicht mit Deutschland zu vergleichen, da es hier ein kulturell-religioeses Fest ist und nicht der Anlass, sich du Birne volllaufen zu lassen und die elterliche Wohnung wegzusprengen.
Der ganze Zirkus begann schon am 28.12., da die Japaner vor dem neuen Jahr noch einen Grossputz veranstalten (Der Grund ist, dass sie nicht mit schlechten Sachen, wie einer dreckigen Wohnung ins neue Jahr starten wollen). Und mit Grossputz meinen die auch wirklich "grosses Putzen". Hier wird naemlich nicht aussortiert und die eigene Muelldeponie gebildet, sondern einen ganzen Tag lang geschrubbt, was das Zeug haelt. Und hier wird wird wirklich alles geschrubbt! Wir haben sogar die Waende der Dusche von Wasserflecken befreit, nur um die verwendeten Putzmittel mit Wasser wieder abzuspuelen.

Am 29. folgte dann die Kopfarbeit. Da fing meine Gastfamilie an, Neujahrskarten (Nengajo) zu schreiben. Das Ganze ist ungefaehr mit unseren Weihnachtskarten zu vergleichen, nur in viel groesserem Stil. Nengajo werden naemlich an alle geschrieben, die man so kennt/kannte und deren Adresse man hat. Und wenn man dann, wie meine Gastmutti, im Beruf mit vielen Leuten zu tun hat, dann kann es auch schon mal vorkommen, dass man 80 oder mehr Karten schreibt.
Gluecklicherweise kenne ich in ganz Japan nur eine Adresse, sodass sich mein Papier-, Tinten- und der Kraftverbrauch meiner Haende in Grenzen hielt.
Das Nengajoschreiben geht allerdings nach Silvester noch weiter, wenn man dann an die schreiben muss, die man selbst vergessen, von denen man aber eine Karte bekommen hat.
Fuer diese Karten gibt es uebrigens auch extra Briefkaesten und Brieftraeger, da man kein Porto bezahlen muss.

Fuer mich persoenlich war der 30. der schlimmste Tag. Fuer diesen Tag hatte meine Gastmutti naemlich den Einkauf der Zutaten des Silvesteressens geplant. Leider hatten gut 80% der Einwohner von Hachinohe die gleiche Planung und so trafen sich natuerlich viel zu viele Menschen in viel zu wenig Supermaerkten. Man stelle sich das bitte wie die Rush Hour in Tokyo vor, nur halt auf Supermaerkte bezogen. Egal, wo man stand, man stand im Weg und wurde von fiesen Omas (Es waren wirklich zu ueber 70% Omas) zur Seite gedraengt.
Aber anhand meiner 45-minuetigen Feldstudie habe ich herausgefunden, dass es am guenstigsten ist, wenn man sich in die Luecke zwischen zwei Regalen stellt. Dort wird man zwar mit einem "Die-spinnen-die-Auslaender"-Blick, bedacht, aber wenigstens nicht mehr herumgeschubst.

Am 31. haben wir dann alle zusammen das Festessen zubereitet. Es bestand aus Fleisch, Wuerstchen, Fisch, Fischeiern, Obst, Gemuese und irgendwelchen Meeresfruechten, die ich noch nie im Leben gesehen habe, eschweige denn davon gehoert.
Gegessen haben wir waehrend einer Fernsehshow, die jedes Jahr laeuft und einem traditionellen Spiel nachempfunden ist. Es gibt ein weisses und rotes Team (Da hoert die Tradition dann uebrigen auch schon wieder auf). Jedes Team laedt verschiedene traditionelle und moderne Saenger oder Gruppen ein, die dann das tun, wovon sie glauben, dass sie es am besten koennen: Singen. Am Ende (kurz vor Mitternacht) entscheiden dann die Zuschauer, welche Gruppe gewonnen hat.
Um kurz vor Mitternacht wird dann angefangen, die Glocke in (ich glaube) jedem Schrein 108mal zu schlagen. Ich glaube aber, dass das verschiedene Personen machen.Zumindest bei der Liveuebertragung im Fernsehen waren es 108 verschiedene Personen.
Um Mitternacht isst man Soba (Buchweizennudeln). Da diese Nuedeln lang sind, sollen sie auch ein langes Leben verheissen.
Die ganz glaeubigen Japaner gehen anschliessend sofort zum einem Schrein in ihrer Naehe, um die Wuensche fue's naechste Jahr loszuwerden. Alle anderen koennen das auch am 1.1. tun.
Zu allen anderen gehoerten auch wir.
Nach dem Besuch von zwei Schreinen gingen wir dann noch zu Verwandten meiner Gastmutti. Sowohl von diesem, als auch von meiner Gastmutti bekamen meine Gastschwester und ich "toshidama" (Neujahrsgeld), was mir jedoch etwas unangenehm war. Da das jedoch zur Tradition gehoert, wurde meine Abwehr gekonnt ueberhoert.
Damit sich die Geldgeschenke auch gelohnt haben, gingen wir danach zum "Neujahrsverkauf", was nichts anderes ist, als "Winterschlussverkauf" plus Auktionen verschiedener Dinge, die man in Tueten packt und als "Ueberraschung" verkauft.
Und ja, die Japaner kaufen das Zeug auch.
17.1.07 05:22


Donnerstag, 11.01.07: Die spinnen die Japaner... Teil 2

Bevor ich nach Japan kam, dachte ich, die Kanji waeren das Schwierigste an der Sprache. Als ich fuer die Pruefung lernte, verfluchte ich die Grammatik. Doch seit kurzem stehe ich vor einem Problem, das fieser, infernaler und alles vernichtender ist, als alle Kanji, grammatischen Strukturen und grammatischen Kanji zusammen: Lautwoerter. Und damit meine ich nicht ein bisschen "Miau", "Klingeling" und "Tatuetata". Nein, hier hat das viel grausamere Ausmasse angenommen.
Das mustse ich spaetestens einsehen, als ich zum fuenften Mal hoerte, wie schoen "Shaki Shaki" der Salat doch sei, oder dass die Nuden heute so gar nicht "tsuru tsuru" waeren. Verzweifelt fragte ich meine Gastmutti, was ihre Tochter denn damit sagen wolle, aber eine Erklaerung hatte sie auch nicht auf Lager. Shaki Shaki waere halt shaki shaki und das Wrt kaeme vom Gerausch, dass der Salat beim Essen mache. Dumm nur, dass mein Salat beim Essen gar keine Geraeusche machte.
Bis heute habe ich schon einiges gelernt. Nur weiss ich leider immer noch nicht, warum ein Reiskuchen (omochi) NICHT mochi mochi ist und Salat shaki shaki, eine Gurke aber nicht. ODER warum mein Kanjilehrer bei jeder Erklaerung, die ich ihm von meiner Gastmutti ueberbrigen, fragend die Augenbrauen hebt und meint, das waere bei ihm ganz anders...
17.1.07 05:32


Samstag, 13.01.07: Mein x-tes Erdbeben

Ihr fragt euch jetzt sicher, warum mein x-tes Erdbeben einen Ehrenplatz in meinem Tagebuch bekommt. Das ist ganz einfach zu erklaeren: Dieses Erdbeben war das erste, bei dem ich mir vor Angst fast in die Hose gemacht haette. Dabei fing alles ganz harmlos an. Ich sass mit meiner Gastschwester am Esstisch, als dieser ploetzlich anfing, zu wackeln. Leicht genervt fragte ich mich, was sie denn schon wieder unter dem Tisch mit den Fuessen mache.
Als ich nachgucken wollte, schweifte mein Blick zum Fensterbrett und ich stellte fest, dass die Blumentoepfe auch wackelten. Gut, es war also nicht die Schuld meiner Gastschwester, sondern ein Erdbeben. Fand ich nicht sonderlich schlimm, war ja nicht mein erstes. Als es jedoch nach gut einer Minute immer noch anhielt, wurde ich leicht nervoes. Als es dann auch noch staerker wurde, keimte in mir das Beduerfnis auf, einfach rauszulaufen. Meine Gastmutti war allerdings dagegen, da das Haus (wie sie mir spaeter erklaerte) erdbebensicher sei und wenn es kaputt gehen wuerde, sowieso ganz Japan untergehen wuerde.
Nach gut 2 1\2 Minuten war dann alles vorbei.
Im Fernsehen wurde dann den ganzen Tag von Tsunamigefahr an der Ostkueste (also auch mein Ort) gesprochen, doch alles, was ankamen, waren 10 cm.
17.1.07 05:40


Samstag, 20.01.07: Ab jetzt ganz viel Sado

In einem Anfal von Selbstmordgedanken entschloss ich mich am Dienstag, neben dem Kendo- auch noch dem Sado-club beizutreten. Der Selbstmordfakt bestand darin, dass der Sadocub am Mittwoch ist, ich an diesem Tag eigentlich Kendo habe und deswegen meinen Trainer (der als strengster Lehrer der Schule gilt) fragen musste, ob ich an diesem Tag Pause machen kann, um einem zweiten Club beizutreten. Es ist nicht so, dass ich Agst vor meinem Lehrer haette, immerhin war er zu mir immer nur nett, aber ich wollte es mir mit ihm auch nicht verscherzen.
Total aufgeregt ging ich also zum Raum der Sportlehrer, entschuldigte mich vielleicht etwas zu oft fuer die Stoerung und trug meine Bitte vor. Natuerlich erlaubte er es mir. Ich bedankte mich vielleicht auch etwas zu oft, denn kaum hatte ich den Raum verlassen, konnte ich das Lachen der Sportlehrer hoeren.
Am Mittwoch traf ich mich dann mit der Lehrerin am Teeraum.
Der Anfang unserer Zeremonie bestand darin, dass wir Suessuigkeiten assen, die mir absolut nicht geschmeckt haben. Aber natuerlich wurden die nicht einfach so gegessen. Es gab einen vorgeschriebenen Ablauf.
Danach ging die richtige Zeremonie los. Das Wort "streng" beschreibt das Ganze wohl am besten. Fuer die Person, die den Tee zubereitet ist jede Bewegung, jeder Griff genau vorgeschrieben und selbst der Gast hat eine Bewegungsabfolge, an die er sich beim Trinken unbedingt halten muss.
Das Schlimmste war jedoch, eine halbe Stunde lang nahezu bewegungslos auf dem Boden zu knien. Obwohl, so schlimm war es gar nicht. Nach ca. 15 Minuten bekommt man nichts mehr mit, weil alles Gefuehl aus den Beinen gewichen ist.
Aber danach musste ich wieder aufstehen. Schon mal versucht, ohne Gefuehl in den Beinen aufzustehen? Tut es nicht! Ich habe es getan und als ich an mir runtersah, bemerkte ich, dass ich nicht auf den Fusssohlen, sondern auf dem Spann stand. Gluecklicherweise bin ich vor Schreck gleich wieder umgefallen, sodass ich mir nichts gebrochen habe.
Aber ansonsten ist es eigentlich eher entspannend und der Tee ist total lecker!
23.1.07 07:59





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung